Predigten Februar - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Februar

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ZUR AUDIOPREDIGT

Lukas 10, 38-42; Estomihi; 26.02.2017

Liebe Gemeinde, in den meisten Stammbüchern gibt es so’ne Liste mit der Bedeutung von Vornamen. Das finde ich ganz interessant. Auf der Kanzel steht heute ein ‚Krieger‘ oder ‚Kämpfer‘ – das bedeutet der Name ‚Hermann‘ nämlich. Aber ob man mit einem wie mir ’n Krieg gewinnen kann, weiß ich nicht so.  Getauft haben wir heute Gretchen und Bennet. ‚Gretchen‘  kommt über –zig Ecken von einem persischen Wort und bedeutet soviel wie ‚Kind des Lichts‘. Und ‚Bennet‘ kommt über einige Ecken aus dem lateinischen Namen ‚Benedict‘ und bedeutet ‚der Gesegnete‘.   In der Predigt kommen heute ‚Maria‘ und ‚Marta‘ vor. Maria kann man von einem Wort herleiten, das ‚geliebt‘ bedeutet, während Marta mit ‚Herrin, Gebieterin‘ zu übersetzen ist. Behalten wir die Bedeutungen der beiden Namen im Hinterkopf, wenn wir den heutigen Text hören, Lk 10,38-42:

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf.  Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.  Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!  Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Diese Begegnung will ich noch eem zweimal erzählen - einmal aus der Sicht der geliebten Maria und dann aus der Sicht der Gebieterin Marta: Marta erzählt: „Ich hörte es schon von draußen: Jesus kommt auf unser Haus zu!  Oh, er kommt gerne zu uns ... Er soll es auch
heute wieder gut haben ... Er ist bestimmt müde ... Sicher hat er Hunger ... Es gibt doch nichts Schöneres, als für Jesus zu sorgen... Wo bleibt denn nur Maria?  Was ist denn mit der los? ... Die sitzt da und tut überhaupt nichts ... Das geht doch nicht!“

Und Maria erzählt: „Ich hörte es schon von draußen: Jesus kommt auf unser Haus zu!
Ob er lange bei uns bleibt? ... Wenn er erzählt, verfliegen die Stunden wie im Flug. .. Heute will ich jedes Wort mitkriegen ... Wie gut, dass Jesus mich nicht wegschickt ... Ich will selbst nichts reden, ich will nur zuhören ...  Hm, Marta schaut mich so böse an ... Aber sie darf mir doch jetzt das Zuhören nicht verbieten ... Jetzt kommt sie rein ... Sie beschwert sich bei Jesus über mich ... "

Es gibt Menschen, denen fällt zuhören leicht und es gibt welche, denen fällt arbeiten leicht.
Das sehen wir schon daran, dass es manchen schwer fällt, bei Veranstaltungen ruhig zu sein, ist manchmal in der Kirche auch so. Aber wie heute in der Kirche  war es damals bei dem Besuch von Jesus dran, ruhig zu werden und zuzuhören. Aber gleichzeitig war es dran, ihn und seine Jünger zu bewirten – das gehörte sich einfach! Und so ist das bis heute in der christlichen Gemeinde: auf der einen Seite tut es gut, einfach mal zu hören und Gottes Wort auf sich wirken zu lassen oder auf schöne Musik oder ein Lied des Chores zu hören.   Andererseits muss aber auch so einiges bewerkstelligt werden – würden einige Leute heute z.B. nicht ganz praktisch angepackt haben, dann hätten wir keinen Blumenschmuck, die Orgel würde schweigen, der Chor nicht singen, es wäre kein Taufwasser bereit gewesen, nachher würde es keinen Kaffee geben und so weiter und so weiter.  Beides ist also nötig – so wie bei Maria und Marta auch, als Jesus mit seinen Jüngern bei ihnen auftaucht. Das ist immerhin ein Trupp von 13 Mann – da kann man schon in Schweiß kommen. Dass da angepackt werden muss, ist klar. Aber die Frage ist: was ist das richtige Gleichgewicht zwischen hören und tun?  Es geht ja nicht darum, entweder nur auf Gottes Wort zu hören oder nur für Ihn zu arbeiten! Wenn ich z.B. darauf verzichte, die Bibel zu lesen oder zu beten oder einen Gottesdienst auf mich wirken zu lassen, dann ist das so ähnlich, als wenn ich beim Thermomix den Stecker ziehe: kein Strom – keine Kraft!  Nicht mehr mit Gott in Verbindung zu sein, das ist so, wie einen Stecker rausziehen – die Kraft, die von Ihm ausgeht, kann mich nicht mehr erreichen. Aus die Maus!  Aber umgekehrt wird auch ein Schuh draus: wenn ich pausenlos auf Gottes Wort höre, zuerst in der Kirche, dann vielleicht zu Hause noch einige CD’s mit Anbetungsliedern abspiele und konzentriert zuhöre und danach in einem Andachtsbuch lese – dann muss ich mich nicht wundern, wenn die Küche kalt bleibt!  Dann kann ich die tollste Küchenmaschine haben und das Ding ist auch eingestöpselt – aber wenn ich sie nicht in Gang schmeiße, dann gibt’s nichts auf’n Teller.
Ich glaube, ihr wisst wohl, wie ich das meine: es kommt auf das richtige Verhältnis zwischen beidem an!  Wir sollen Gottes Wort hören und tun.  Wir dürfen uns weder von der Gebieterin Marta von der Begegnung mit Jesus abhalten lassen, noch von der geliebten Maria einreden lassen, es reiche, nur auf Jesus zu hören.

Das ganze hängt auch mit dem Selbstwertgefühl der beiden Frauen zusammen. Marta fühlt sich am wohlsten und wertgeschätzt, wenn sie etwas in den Händen hat und arbeiten kann. Und darum tut es uns vielleicht ganz gut,  wenn wir uns mal die Frage stellen: woher bekommen wir unser Selbstwertgefühl? Ich will das mit drei Gegensatzpaaren deutlich machen. Die erste Frage dazu:

Woher bekommen wir unser Selbstwertgefühl: dadurch, was wir arbeiten können, oder dass wir geliebt sind?  Marta lebt von dem, was sie alles schaffen und auf die Beine stellen kann. Und wenn ein Mensch so ein Marta-Typ ist, wenn er leistungsfähig ist, dann ist das doch auch echt ein Segen!  Aber die Kehrseite der Medaille ist: wer immer mit viel Kraft und Ausdauer echt viel an Arbeit weghaut, der kann ganz leicht dahin kommen, dass er gar nicht mehr ohne kann! Das, was er alles schafft, das ist dann letztlich das, wovon er lebt,  was ihn am Laufen hält.  Es gibt Tage, an denen das reicht und OK ist, aber es gibt auch Tage, wie Marta das jetzt gerade erlebt: da reißt der Geduldsfaden und man hat keinen Bock mehr, immer alles zu machen!  Oder wenn man z.B. von einer Krankheit aus der Bahn geworfen wird – dann hat man als Marta-Typ echt Mühe damit, dass man das annehmen und damit zurechtkommen kann. Es ist, als ob das Leben auf einmal keinen richtigen Sinn mehr hat.  Das ist die Folge der ‚Herrin‘ oder ‚Gebieterin‘ Marta – das, was wir immer gut geschafft ha-
ben, macht uns dann, wenn wir es nicht mehr können, fertig!

Maria tickt anders – sie lebt von dem, was Gott in sie hinein gelegt hat, sie kennt ihre Grenzen und Bedürfnisse und heute braucht sie es, dass sie einfach bei Jesus sitzt und ihm in Ruhe zuhört. Sie nimmt seine Worte auf, so wie ein Tank den Sprit, um dann wieder ans Werk zu gehen. Sie lässt sich von der Liebe Gottes und den Worten von Jesus füllen, um dann mit frischer Kraft an die Arbeit gehen zu können. Bei ihr ist es im Prinzip umgekehrt wie bei ihrer Schwester, sie weiß: Ich bin geliebt, darum kann ich für Gott arbeiten.

Eine zweite Frage: Woher bekommen wir unser Selbstwertgefühl: durch das, was wir haben oder durch das, was wir sind? Wenn wir von dem leben, was wir haben, werden wir nie unser Ziel erreichen. Es gibt immer eine neueres Smartphone, ein neueres Auto, einen neuen Partner. Die  Dinge, die wir haben, können uns nie die letzte Zufriedenheit geben.  Aber wenn wir von dem leben, was wir vor Gott sind, dann haben wir es viel leichter, dass wir unsere innere Ruhe finden. Wir können uns an dem freuen, was wir haben, aber wir brauchen es nicht mehr unbedingt dazu, dass wir einen Sinn in unserem Leben sehen können.  Ich bin etwas vor Gott wert und von da aus gebrauche ich die Dinge, die ich habe.

Dritte Frage: Woher bekommen wir unser Selbstwertgefühl: durch die Dinge, die wir festhalten  oder durch die Dinge, die wir teilen? Wenn wir unsere Zeit für uns behalten, dann werden wir über kurz oder lang einsam werden.  Wenn wir Liebe für uns behalten, werden wir irgendwann egoistisch und stellen uns selbst in den Mittelpunkt. Und wenn wir unseren Besitz für uns behalten, dann haben wir zwar Geld, aber die Frage ist: trägt mich das? Auch in den Phasen, die anstrengend sind. Und: trägt mich das auch dann, wenn ich hier mal alles zurücklassen muss?  Menschen, die nicht krampfhaft festhalten, merken immer wieder: dadurch, dass ich abgebe, kriege ich mehr zurück! Mich beeindruckt das immer total,
was einige Frauen aus unserem Raumpflegeteam erzählen: sie geben von ihrer Zeit und von ihrer Kraft etwas ab – aber sie haben dadurch eine Gruppe gefunden, die ihnen einfach nur gut tut!  Und so ist es mit vielen Dingen – wenn wir uns trauen, sie zu teilen, haben wir nicht weniger, sondern mehr! Logisch ist das nicht, das ist eher theo-logisch, das ist Gottes Logik.

Maria und Marta. Wo setze ich meinen Schwerpunkt? Vielleicht kann eine kleine Geschichte uns einen Gedankenanstoß geben – sie handelt auch von Maria und Marta, aber diesmal sind das zwei Eidechsen, sie leben in einem Weinberg. Maria lag den Tag über auf der Mau-
er und badete in der Sonne. Marta verbrachte die meiste Zeit damit, Insekten zu suchen für sich und ihre Kinder. Wenn sie Maria auf der Mauer liegen sah, ärgerte sie sich: "Wie du die Zeit verplemperst! Wenn du eine anständige Eidechse wärst, würdest du dich mal um das Wohl deiner Kinder kümmern. Was machst du denn den ganzen Tag da oben?" Maria blinzelte und sagte: "Ich tanke Energie. Da tue ich doch etwas für meine Kinder."   "Das sehe ich anders", knurrte Marta. "Und eines Tages wird dich noch der Bussard holen."  "Das bleibt abzuwarten", meinte Maria und räkelte sich in der Sonne.  Marta zog es vor, nach Beute zu suchen. Sie verbrachte viel Zeit damit, den Ameisen nachzujagen. Sie wirkte oft müde. Ihr Leben wurde zunehmend bedroht: Sie hatte der Flinkheit der Katzen und Wiesel nichts mehr entgegenzusetzen.   Marias Kinder wurden stark und schnell, ganz wie sie selbst. Sie fingen bald die dicksten Spinnen, die schnellsten Laufkäfer und große Libellen. Aber am liebsten lagen sie mit ihrer Mutter auf der Mauer und räkelten sich im Sonnenschein.

"Eins aber ist not", sagt Jesus zu Marta. Wir können auch sagen: "Marta, statt dich um so viele Dinge zu kümmern und zu sorgen, hättest du die Gäste etwas weniger üppig bewirten und dich dann ruhig zu deiner Schwester zu Jesus setzen können und dich von der Sonne seiner Botschaft wärmen lassen. Und du, Maria, hättest deiner Schwester dabei wohl eem helfen können!“   Was ist das "gute Teil"?  Dass wir einen ganz großen inneren Wert haben, das hat Gott in uns so hineingelegt! Und dieser Wert ist nicht abhängig von dem, was ich leisten und tun kann! Und dass wir bei Gott gut angeschrieben sind, das können wir selber sowieso nicht hinkriegen – das können wir nur annehmen.  Gott hat für uns das gute Teil bereitgelegt. Wenn ich mir wie Marta Jesu Liebe verdienen möchte, dann wird es falsch. Wenn ich mir wie Maria Jesu Liebe schenken lasse, und aus dieser Liebe handle, dann habe ich begriffen, auf was es ankommt. Anpacken muss ich dann aber auch irgendwann – sonst werde ich ungerecht gegenüber denen, die es dann für mich mitmachen müssen. Darum ist es gut so, wie ihr euch heute entschieden habt: jetzt sitzt ihr sozusagen zu Jesu Füßen! Hört auf Sein Wort! Wenn ihr betet, redet ihr mit ihm! Genießt diese Zeit! Und dann – dann packt in der neuen Woche das an, was anliegt. Nicht, um euch euern Sinn damit zu verdienen und nicht, um Gott damit zu gefallen – beides ist völlig unnötig!
Und wenn ihr in der neuen Woche mal spürt: Jetzt brauch ich eem zehn Minuten für mich, oder: jetzt muss ich eem in Ruhe mit Gott reden, oder: jetzt brauche ich eem ein gutes
Wort von Ihm – dann legt getrost die Arbeit, die ihr dann gerade tut, aus der Hand. Gönnt euch dann die Begegnung mit Ihm – und dann könnt ihr mit neuer Kraft weiter! Amen.

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